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Geschichte

 

Bereits 8000 - 5000 v. Chr. durchstreiften Steinzeitjäger unsere weitere Umgebung. Spuren einer mittelsteinzeitlichen Siedlung wurden bei Wittendorf, eines Rastplatzes bei Schopfloch und oberhalb Hallwangen, gefunden. Einfache kleine Hornsteinwerkzeuge bei Freudenstadt (Hebel, Schaber, Kratzer, Messer).

Wann die ersten Menschen in Grüntal-Frutenhof sich angesiedelt haben ist, wie bei fast allen Städten und Dörfern unbekannt. Keine geschriebenen Urkunden berichten darüber. In das Zeitalter der Kreuzzüge um 1100 n.Chr. fällt die erste urkundliche Erwähnung von "Gruonendal". In einer Urkunde des Tübinger Pfalzgrafen von 1103 ist "Gruonendal" am Rande erwähnt. In diese Zeit fällt auch der Bau des Klosters Reichenbach durch Mönche des Abts Wilhelm von Hirsau in den Jahren 1082-1085.

Der Ortsname Grüntal war in der Vergangenheit mehreren Lautzeichen und orthographischen Veränderungen unterworfen. Um 1100 lesen wir Grindilen und Gruonendal, 1344 Grunethal, 1521 Griendel, hernach Grunthal, Grundel, Gröndel, Grändel. Eindeutig nimmt der Name Bezug auf die Lage im grünen Tal.

Ca. 1 km oberhalb Grüntal taucht um 1470 erstmals der "Fruthof" als einzelnes Hofgut und Erblehen der württembergischen Herzöge in den Büchern der herzoglichen Kellerei in Dornstetten auf und gehörte damals schon zu Grüntal.

Auch in Frutenhof gab es ursprünglich ca. 15 verschiedene Schreibweisen, z.B.

Fruetenhooft, Fruotenhof, Fruedenhof, Fruttenhof, Frutten Hof. In einer Unterpfandverschreibung um 1500 von Ludwig Frut lautet die Bezeichnung für Frutenhof "Kretzenbüel zu gredal".

Grüntal-Frutenhof erscheint in einer ersten schriftlichen Waldgedingeverkündigung der Gemeinden Aach, Bentzingen, Dietersweiler, Dornstetten, Hallwangen, Wittlensweiler. Das Waldgeding war eine alte Wirtschaft- und Schutzgemeinschaft und umfasste die o.a. Orte., die Fläche betrug ca. 100 qkm. Die eigene Gerichtsbarkeit war neben verschiedene Waldnutzungen die wertvollste Einrichtung. Die Gerichtsstätte befand sich in Aach, bei der heutigen Gaststätte "Waldgericht".

Nach den Tübinger Pfalzgrafen waren die Grafen von Eberstein bei Baden-Baden im 13. Jahrhundert Besitzer von Grüntal. Diese verkauften es 1421 an die Grafen und späteren Herzöge von Württemberg, wo es bis 1806 vom herzoglichen Amtmann, bzw. Vogt in Dornstetten verwaltet wurde

Während des Bauernkrieges (um 1525) gab es in Grüntal-Frutenhof 13 Wohngebäude, sowie 2 Sägemühlen und 1 Kirche. Im Jahre 1650 zählte Grüntal 80 Einwohner, es standen in Grüntal 21 und in Frutenhof 4 Gebäude.

1599 wurde Freudenstadt durch Herzog Friedrich von Württemberg gegründet. Sein bekannter und berühmter Stadtbaumeister Heinrich Schickardt erweiterte auch das Kirchenschiff der Johanneskirche in Grüntal.

Während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) herrschte auch in unserer Gegend allgemeine Not.

Gegen immer wiederholte Einfälle der Franzosen in unserer Gegend haben sich auch 22 Männer aus Grüntal-Frutenhof in das Aufgebot des Herzogs von Württemberg eingereiht. 1696/97 wurden deshalb die Schanzen auf der Schwarzwaldhochstaße gebaut, wo auch 14 Männer aus Grüntal-Frutenhof teilnehmen mußten. In der französischen Revolutionskriegen wurden die Sperren überwunden und die marschierenden Truppen nahmen auf ihrem Weg nach Stuttgart Quartier in Grüntal-Frutenhof. Dabei plünderten sie 29 Familien aus und nahmen mit was nicht niet- nagelfest war.

Im Feldzug von Napoleon nach Russland nahmen 1812 vom damaligen "Kirchspiel Grüntal" mehrere Männer teil. Einer Eintragung im Kirchenbuch zufolge sind 10 Männer gefallen und 8 in Lazaretten verstorben. Während der Befreiungskriege 1813-15 von Napoleon kamen sogar russische Soldaten bis in unser Tal. Im Deutsch-französischen Krieg 1870-71 mussten 18 Soldaten und Landsturmmänner teilnehmen.

1842 kam Gustav Werner auf Einladung zu Vorträgen in die Johanneskirche nach Grüntal. Dies war auch sein erste Station im Schwarzwald. Gustav Werner ein evang. Vikar gründete 1842 in Walddorf bei Reutlingen sein erstes Bruderhaus (Weisenhaus). 1857 gründeten Mitarbeiter von Gustav Werner in Frutenhof eine Zweiganstalt mit damals 5 Helfern und 18 Zöglingen. Im 17ten und 18ten-Jahrhundert wanderten auch aus unserer Gemeinde, aufgrund sozialer Notlage, viele Familien und Einzelpersonen nach USA, Polen, Weißrussland aus.

Nach 2-jähriger Bauzeit wurde am 1. Sept. 1879 die Eisenbahnstrecke Eutingen-Freudenstadt eingeweiht. Die Täler über den Kübelbach, Stockerbach und Ettenbach mussten mit riesigen Viadukten überbrückt werden. Allein die Grüntaler Brücke über den Stockerbach sind 279 m lang und 50 m hoch. Sie ist die höchste dieser 3 Brücken. Trotz zähem Ringen der Gemeinden Grüntal und Wittlensweiler wurde erst im Jahre 1910 durch das königl. Ministerium eine Haltestelle in Grüntal genehmigt, die am 1. Juli 1911 eröffnet wurde. Leider mußte diese Haltestelle im Jahr 1975 wegen mangelnder Benützung geschlossen werden. Am 17. April 1945, 4 Stunden bevor die Franzosen einmarschierten, wurden die beiden Brücken in Aach und Grüntal sinnlos gesprengt. Der Wiederaufbau der beiden Brücken (übrigens auch der Brücke im Lauterbad) erfolgte in der Nachkriegszeit, so daß die Gäubahn, (Bahnlinie Freudenstadt-Eutingen) am 1. Sept. 1949 wieder in Betrieb genommen werden konnte.

Mit dem Tode des Nachtwächters Würfele im Sept. 1923 lies die Gemeinde das Oberamt wissen, dass sie angesichts einer gut ausgerüsteten Feuerwehr und einer Quellwasserversorgung mit Hydrantenanschluss von einer Wiederbesetzung der Nachtwächterstelle absehe. In den Jahren 1904-05 wurden 2 Quellen im Wald gefaßt und eine zentrale Wasserversorgung eingerichtet. 1911 wurde durch das Elektrizitätswerk Graf in Frutenhof, mit einem 70 PS Motor der mit Petroleum gespeist wurde Strom für das Stockerbachtal erzeugt und geliefert. Nach dem 1. Weltkrieg wurde, wegen Mangel an Petroleum, die Stromlieferung durch das Überlandwerk in Glatten (Kohle,Dampf) , und später durch die Energie-Versorgung-Schwaben in Bettenhausen übernommen.

Im 1. Weltkrieg (1914-18) sind aus Grüntal-Frutenhof 22 Männer gefallen, im 2. Weltkrieg (1938-45) sind 25 Männer gefallen und 12 Männer vermißt.

Mit der Verwaltungsreform Baden-Württemberg 1971 wurde Grüntal-Frutenhof zur Freudenstadt eingemeindet und ist seither ein Stadtteil.


Internetgruppe Grüntal-Frutenhof